Archiv: August 2026

Hunde und ihre feine Nase

Hunde und ihr feines Näschen: Phänomen mit Nutzen und Spaß

Hunde haben sensible Sinne. Wenn wir noch lange nichts hören, drehen sie schon das Ohr und heben den Kopf. Noch überlegener sind sie uns, was das Riechen betrifft. So werden Hunde immer öfter und in immer mehr Bereichen als Unterstützer eingesetzt.

Eine Hundenase ist dem menschlichen Geruchssinn stark überlegen: Während wir etwa fünf Millionen Riechzellen haben, können es bei Hunden deutlich über 200 Millionen sein, je nach Rasse und Nasenform unterschiedlich ausgeprägt. Auch der für das Riechen zuständige Hirnbereich ist bei Hunden deutlich spezialisierter. Sie können nicht nur sehr viel feinere Gerüche und Nuancen wahrnehmen, sondern auch die Richtung bestimmen, aus der ein Geruch kommt. Die Geschwindigkeit und Frequenz, mit der Gerüche aufgenommen und analysiert werden können, sind ebenfalls vielfach höher als beim Menschen.

Im Einsatz werde „grundsätzlich unterschieden, ob Hunde eine Spur ausarbeiten, also etwa einer Fährte folgen, oder eine Witterung aufnehmen sollen, die sie bei Erkennen anzeigen“, beschreibt Jennifer Tschipang. Die Hundeführerin hat die Ausbildungsstätte Tiergestützte Interaktion & Coaching (TIC) gegründet und bildet dort mit dem Angebot „Dein Spürhund“ Hunde aus. Für die Fährtensuche oder das Mantrailing, das Verfolgen der Duftspur einer bestimmten Person, brauchen die Tiere einen Referenzgeruch, dem sie folgen sollen. Dafür reichen den Hunden die wenigen Geruchspartikel in der Luft oder an Gegenständen, nachdem die gesuchte Person vorbeigegangen ist. Die Hunde werden darauf trainiert, sich auf einen individuellen Geruch zu konzentrieren und alle anderen Eindrücke auszublenden. Zu Beginn sind das kleine Suchaufgaben auf begrenztem Raum – etwa nach Teebeuteln. Dann kommen größere Suchgebiete und weitere Gerüche als Ablenkung dazu. Findet der Hund das Objekt oder die Person, bekommt er eine Belohnung. Am Ende geht es darum, das Ziel auch unter widrigen Bedingungen zu finden und dem Hundeführer bei der Suche wichtige Informationen anzuzeigen. Diese Ausbildung dauert in der Regel zwei Jahre. Dabei wird auch die Führungsperson geschult, da sie die nötigen Schlüsse aus dem Verhalten des Hundes ziehen muss: Mensch und Tier funktionieren immer nur im Team.

Hunde haben ein gutes Geruchsgedächtnis und können sich rund 15 verschiedene Gerüche merken. Bemerken sie einen davon, reagieren sie und zeigen das ihrem Hundeführer an. „Mit größerem Umfang der Aufgaben können aber auch Irrtümer eintreten. Daher sind Spezialisierungen durchaus sinnvoll“, sagt die Expertin. So sind manche Hunde Experten für einen oder wenige feste Gerüche – zum Beispiel für Sprengstoff, Drogen oder Datenträger, aber auch für bestimmte Lebewesen. Bettwanzenspürhunde etwa helfen dabei, diese Schädlinge zu bekämpfen. Artenschutzspürhunde wiederum helfen bei Bauprojekten, schneller aufzuklären, ob noch geschützte Arten im entsprechenden Bereich leben. Und werden allgemein Menschen nach einer Lawine oder einem Erdbeben gesucht, können entsprechend ausgebildete Hunde auch ohne Referenzgeruch Menschen aufspüren.

Der Geruchssinn ist bei allen gesunden Hunden gut ausgeprägt, weil sie sich damit ständig über ihre Umgebung informieren und über Geruchsmarkierungen mit Artgenossen kommunizieren. „Je nach Rasse gibt es aber Schwankungen, die noch weiter untersucht werden müssen. Bei Hunden mit langen Schnauzen vermutet man bisher einen deutlich ausgeprägteren Geruchssinn als bei Vierbeinern mit kurzer Nase. In der Wissenschaft wird aktuell aber diskutiert, ob der weit größere Einfluss nicht die unterschiedlich ausgeprägte Motivation zum Suchen sein könnte“, erklärt Tschipang. „In manchen Feldern ist es sinnvoll, nach besonders geeigneten Rassen zu schauen, etwa nach einem Stöberhund wie dem Cocker Spaniel für die Jagd oder einem folgsamen, arbeitswilligen Malinois für die Polizeiarbeit. Dann verspricht die Ausbildung möglichst großen Erfolg. Bei den freien Hundeführern, also etwa Rettungs- oder Anzeigehunden, gibt es mittlerweile aber viele verschiedene Rassen und auch Mischlinge.“

Jeder Hundehalter kann und sollte einmal Spürhundeaufgaben ausprobieren, empfiehlt die Expertin: „Es ist eine artgerechte Beschäftigung, die die Bindung zu den Haltern verstärken kann. Und im Grunde sind alle Hunde, die gesund und fit sind, ganz unabhängig von ihrer Rasse im Freizeitbereich dafür geeignet.“ Zum Beispiel bieten sich einfache Suchspiele an, bei denen man den Hund zuerst am gesuchten Objekt schnuppern lässt, es dann versteckt und ihn suchen lässt. Man kann aber auch privat die Personensuche trainieren, indem sich eine weitere Person versteckt und gefunden wird. Haben Hund und Halter Spaß daran, kann sich daraus auch mehr entwickeln. In der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO) sind einige deutsche Vereine und Verbände Mitglied, die für den Einsatz in ehrenamtlichen Rettungshundestaffeln ausbilden: https://www.iro-dogs.org/ueber-uns#c57. IVH


Online-Seminare: „Mehr als nur Optik“ und „Fütterung von Hündin und Welpen“

„Mehr als nur Optik - der Einfluss von äußerlichen Merkmalen auf das Verhalten von Hunden“ am 03.09.2026 mit Frau Prof. Dr. med. vet. Czycholl

Hunde kommunizieren über ihre Körpersprache – doch welchen Einfluss haben dabei äußere Merkmale wie Rutenlänge, Fellfarbe oder Ohrform? Während die enorme Vielfalt unserer Hunderassen geschätzt wird, ist über die Auswirkungen bestimmter körperlicher Merkmale auf das Sozialverhalten und die Kommunikation von Hunden bislang erstaunlich wenig bekannt. Im Mittelpunkt dieses Vortrags stehen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Fragestellungen, mit besonderem Fokus auf die Bedeutung der Rutenlänge. Darüber hinaus werden weitere äußerliche Merkmale wie Fellfarbe und Ohrtyp betrachtet und deren möglicher Einfluss auf Hund-Hund- sowie Hund-Mensch-Interaktionen diskutiert. Der Vortrag bietet spannende Einblicke in die Forschung zur Hundekommunikation und zeigt, welche Bedeutung körperliche Merkmale für das Verhalten und das Wohlbefinden unserer Hunde haben können.


„Fütterung der Zuchthündin sowie von Welpen und Junghunden“ am 22.09.2026 mit Frau Prof. Dr. Paßlack

Eine optimale Fütterung ist für die Gesundheit von Zuchthündinnen von großer Bedeutung. Ernährungsfehler können nicht nur die trächtige und säugende Hündin stark beeinträchtigen, sondern auch negative Folgen für die Welpen haben. Ebenso nimmt die Fütterung bei abgesetzten Welpen und Junghunden eine zentrale Rolle ein und beeinflusst u.a. die Knochenentwicklung bzw. das Wachstum. In dem Webinar sollen die Grundlagen der Fütterung von Zuchthündinnen, Welpen und Junghunden praxisnah besprochen werden. So wird erläutert, welche besonderen Ernährungsansprüche die Hunde in diesen Lebensphasen haben, und wie man sie mit unterschiedlichen Fütterungsvarianten (kommerzielles Alleinfutter, selbst gekochte Rationen, BARF) erfüllen kann. Das Webinar wird interaktiv gestaltet, damit die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen und Erfahrungen zu teilen.


Es handelt sich jeweils um Online-Seminare. Die Anmeldung können Sie über https://www.vdh.de/ueber-den-vdh/akademie-hundehaltung-hundezucht/


Impdschutz für Hunde

Der richtige Impfschutz für Hunde

Die Gesundheit unserer Vierbeiner liegt uns am Herzen. Impfungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie bieten vor schweren oder gar tödlichen Krankheiten Schutz. Dieser sollte gegen einige Erreger dauerhaft aufrechterhalten werden, gegen andere ist das nur je nach Wohnregion und Reiseaktivitäten relevant. Tierärzte halten sich dabei genau an die Empfehlungen. Doch auch Halter sollten entsprechend Bescheid wissen – zumindest über die Kernimpfungen, die für jeden Hund in Deutschland empfohlen werden, betont Dr. Max Bastian. Der Fachtierarzt für Mikrobiologie leitet die Geschäftsstelle der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut.

Die StIKo Vet veröffentlicht und aktualisiert in regelmäßigen Abständen Leitlinien mit Empfehlungen, welche Impfungen aktuell für die verschiedenen Tierarten besonders wichtig sind (https://stiko-vet.fli.de/de/empfehlungen/). Dabei unterscheidet sie in Core-Impfungen für alle Tiere einer Art sowie Non-Core-Impfungen für den Einzelfall.

Core-Impfungen: Diesen Schutz sollte jeder Hund haben „Bei den sogenannten Core-Impfungen handelt es sich um eine Impfkomponente, gegen die jedes Tier in Deutschland zu jeder Zeit geschützt sein sollte“, erklärt Dr. Bastian. „Grundlegend dafür sind drei Kriterien: Die Erreger müssen bei uns vorkommen, die Erkrankungen müssen erwartbar schwere Folgen haben und es sollten Impfstoffe vorhanden sein, die zuverlässig davor schützen.“

Staupe und „Hundeseuche“ (Parvovirose) sind Viruserkrankungen, die sich häufig durch hohes Fieber, Abgeschlagenheit und mitunter Durchfall und Erbrechen bemerkbar machen. Bei schweren Verläufen kann es zu bleibenden Schäden oder zum Tod kommen. Schon Welpen werden daher grundimmunisiert. Dieser Schutz hält lange an und verhindert bereits zuverlässig eine Ansteckung. Derzeit ist empfohlen, den Schutz alle drei Jahre aufzufrischen.

Leptospirose ist eine bakterielle Infektion. Sie wird vor allem über den Urin von Nagetieren übertragen, der Pfützen oder Gewässer verschmutzt. Neben Fieber und Erbrechen sind vor allem Nierenversagen und Atemnot zwei ernsthafte und häufige Folgen. „Unter den Leptospiren gibt es viele Varianten, die teils unterschiedlich wirken können. Die Impfstoffe decken zwar ein großes Spektrum ab, aber es lassen sich nicht alle Varianten zuverlässig ausschließen. Außerdem hält die Immunabwehr nicht ganz so lange an. Deshalb empfiehlt sich hier eine jährliche Auffrischung“, erklärt der Experte.

Zu den Non-Core-Impfungen zählt etwa der Schutz gegen Tollwut oder gegen Leishmaniose, die umgangssprachlich häufig zu den Mittelmeerkrankheiten gezählt wird. Seit 2008 gilt Deutschland als frei von terrestrischer Tollwut, also bei am Boden lebenden Haus- und Wildtieren. Somit gehört Tollwut hier nicht mehr zu den Kernimpfungen. Wer allerdings mit seinem Hund ins Ausland reisen möchte, muss sein Tier dennoch dagegen impfen und dies vom Tierarzt in den EU-Heimtierausweis eintragen lassen, um den Impfstatus nachweisen zu können.

Die Leishmaniose wird über Sandmücken übertragen, die hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommen. Dazu der Fachtierarzt: „Mein Hund verbringt sein ganzes Leben in Vorpommern, der braucht keine Impfung gegen Erreger, die es dort nicht gibt. Für Menschen aus Süddeutschland, die regelmäßig mit ihren Tieren nach Italien oder Südfrankreich fahren, kann die Impfung dagegen doch sinnvoll sein.“ Leishmaniose sei allerdings ein Erreger, der – bedingt durch den Klimawandel – vielleicht irgendwann auch in Deutschland heimisch werden könnte. In dem Fall würde die StIKo Vet den Impfschutz gegebenenfalls zukünftig als Core-Impfung einstufen.

Ob generell oder nur unter besonderen Umständen: Eine Pflicht zur Impfung gibt es in Deutschland nicht, erklärt Dr. Bastian. „Wir können hier also immer nur Empfehlungen aussprechen. Die einzige Ausnahme ist die staatlich angeordnete Impfung gegen Tollwut bei Auslandsreisen. Ansonsten können aber auch Hundeschulen, -vereine oder Tierheime bestimmte Impfungen für ihre Einrichtung als verpflichtend voraussetzen. Das liegt in ihrem Hausrecht.“

Im Idealfall wird der Tierarzt regelmäßig von selbst die Impfungen prüfen und mit dem Halter darüber sprechen, in welchen zeitlichen Abständen welche Impfung aufgefrischt werden sollte – etwa beim jährlichen Gesundheitscheck. „Dabei untersucht der Tierarzt bei Bedarf alles von den Zähnen über das Blut bis eben zu den Impfungen. Hier kann man auch klären, ob der Impfschutz noch aktiv ist oder, wenn eine Reise ansteht, ob es dazu etwas zu beachten gibt“, sagt Dr. Bastian. „Und falls man zum Beispiel Nebenwirkungen befürchtet, bietet sich ein Antikörpertest an. Damit lässt sich vorab prüfen, ob überhaupt eine Auffrischung notwendig ist oder der Impfschutz noch ausreicht.“ IVH


Unsichere Hunde richtig unterstützen

Unsichere Hunde richtig unterstützen

Nicht jeder Hund begegnet neuen Situationen gelassen. Manche reagieren vorsichtig auf fremde Menschen, andere auf ungewohnte Geräusche oder auf Veränderungen im Alltag. Wer die Signale frühzeitig erkennt und richtig reagiert, kann deeskalieren – und seinem Hund helfen, Vertrauen aufzubauen.

Unsicherheit kann sich bei Hunden sehr unterschiedlich äußern. Manche ziehen sich zurück, andere reagieren hektisch oder sogar laut und impulsiv. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch aggressives Verhalten ist häufig durch Unsicherheit oder Angst motiviert. „Hunde kommunizieren Unsicherheit meist über ihre Körpersprache“, erklärt Tierärztin Dr. Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“. „Wer die Signale kennt, kann Stress schon erkennen, bevor der Hund laut wird oder sich zurückzieht. Typische Hinweise sind eine eingezogene Rute, angelegte Ohren, starkes Hecheln, Gähnen oder vermehrtes Lecken.“ Oft wird Unsicherheit mit Ungehorsam verwechselt – allerdings reagiert der Hund nur nicht wie gewohnt, weil er gerade mit einer belastenden Situation umgehen muss.

Einige Hunde reagieren besonders sensibel auf fremde Menschen oder andere Hunde. „Häufig hängt das entweder mit fehlenden oder aber mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit zusammen“, sagt Expertin Ketter. Unsichere Hunde versuchen zunächst oft, Distanz aufzubauen – etwa durch Ausweichen oder Verstecken. Ihr Verhalten und ihre Körpersprache weisen zunehmend weg vom Gegenüber, von der Situation oder vom Objekt, das die Furcht auslöst. Erst wenn das Unwohlsein übersehen wird, fällt die Reaktion oft deutlicher aus, beispielsweise durch Bellen oder Knurren. Macht der Vierbeiner unangenehme Erfahrungen mehrfach, kann aus Unsicherheit sogar Angst werden. Statt den Hund zu ignorieren oder in beängstigende Situationen zu zwingen, sollten Halter ihren Vierbeinern daher die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen.

Gewitter, Silvester- oder Baustellenlärm: Laute Geräusche zählen zu den häufigsten Stressfaktoren bei Hunden. Während manche sich schnell wieder beruhigen, benötigen andere mehr Unterstützung. „Wichtig ist dabei vor allem, selbst gelassen zu bleiben“, rät Dr. Ketter. „Heimtiere spiegeln das Verhalten ihrer Bezugspersonen: Ist der Mensch entspannt, wird sich auch der Hund schneller beruhigen.“ Um seinem Hund aktiv Sicherheit vermitteln zu können, muss man die Situation erst einmal als Stresssituation erkennen. Häufig kündigt sich Unsicherheit bereits in der Körpersprache an – kleine Details in Haltung, Blick, Bewegungen und Verhalten ergeben ein Gesamtbild.

Um Probleme mit Unsicherheit langfristig zu lösen, braucht es vor allem viel Geduld. Selten ändert sich das Verhalten von heute auf morgen. „Gerade sensible Hunde brauchen Zeit, um Vertrauen aufzubauen und neue Erfahrungen positiv zu verknüpfen“, sagt die Expertin. „Wichtig ist, den Hund nicht zu überfordern und auch die kleinen Fortschritte wahrzunehmen.“ Schenkt man seinem Tier Sicherheit durch Vertrauen, Geduld und Verlässlichkeit, stehen die Chancen gut, die Unsicherheit in den Griff zu bekommen – und zudem entsteht eine starke Bindung zwischen dem Menschen und seinem Vierbeiner. IVH